Hormone & Botenstoffe

Progesteron

Progesteron ist ein wichtiges Geschlechtshormon, das vor allem in den Eierstöcken, während einer Schwangerschaft zusätzlich in der Plazenta und in geringeren Mengen auch in den Nebennieren gebildet wird. Es spielt eine zentrale Rolle im weiblichen Zyklus und ist maßgeblich an der Vorbereitung und dem Erhalt einer Schwangerschaft beteiligt.

Nach dem Eisprung steigt der Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte an. Das Hormon bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor und unterstützt den Erhalt einer bestehenden Schwangerschaft.

Zu niedrige Progesteronwerte können unter anderem mit Zyklusstörungen, verkürzten Zyklen, unerfülltem Kinderwunsch oder Beschwerden im Rahmen des prämenstruellen Syndroms (PMS) in Zusammenhang stehen. Auch in den Wechseljahren sinkt die Progesteronproduktion häufig deutlich ab.


Mögliche Hinweise auf einen Progesteronmangel können sein:

  • Zyklusunregelmäßigkeiten
  • Prämenstruelle Beschwerden (PMS)
  • Brustspannen
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Verkürzte zweite Zyklushälfte


Erhöhte Progesteronwerte werden vor allem während einer Schwangerschaft gemessen und können auch unter einer Progesterontherapie auftreten.

Für die Beurteilung des Progesterons ist der Zeitpunkt der Blutentnahme besonders wichtig. Bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus erfolgt die Bestimmung häufig etwa sieben Tage nach dem Eisprung, da zu diesem Zeitpunkt die höchsten Werte der zweiten Zyklushälfte erreicht werden.

Die Interpretation sollte stets im Zusammenhang mit weiteren Hormonen wie Östradiol, LH, FSH und gegebenenfalls Schilddrüsenwerten erfolgen, um hormonelle Zusammenhänge besser beurteilen zu können.

Referenzbereich (Progesteron):

• Frauen (Follikelphase): ca. 0,1–0,9 ng/ml

• Frauen (Lutealphase): ca. 1,8–24,0 ng/ml

• Frauen (Postmenopause): unter 0,2 ng/ml

• Männer: ca. 0,1–0,8 ng/ml

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht, Zyklusphase und Messverfahren variieren.

Hinweis: Progesteron wird häufig als „Schutzhormon der zweiten Zyklushälfte“ bezeichnet. Für die Beurteilung hormoneller Beschwerden ist oft nicht nur der absolute Progesteronwert entscheidend, sondern auch Verhältnis zu Östradiol.

Östradiol (E2)

Östradiol ist das wichtigste und biologisch aktivste Östrogen im menschlichen Körper. Es wird überwiegend in den Eierstöcken gebildet, während der Schwangerschaft zusätzlich in der Plazenta und in geringeren Mengen auch in Fettgewebe, Nebennieren und Hoden.

Das Hormon spielt eine zentrale Rolle im weiblichen Zyklus und beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen. Es ist unter anderem an der Reifung der Eizellen, dem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut sowie der Regulation des Menstruationszyklus beteiligt. Darüber hinaus wirkt Östradiol auf Knochenstoffwechsel, Herz-Kreislauf-System, Haut, Schleimhäute und Nervensystem.

Die Konzentration von Östradiol schwankt im Verlauf des Zyklus deutlich. Daher ist für die Beurteilung des Laborwertes der Zeitpunkt der Blutentnahme von großer Bedeutung.

Zu niedrige Östradiolwerte können unter anderem auftreten bei:

  • Wechseljahren
  • eingeschränkter Eierstockfunktion

• Zyklusstörungen

  • starkem Untergewicht
  • hoher körperlicher Belastung


Mögliche Beschwerden können sein:

  • Zyklusunregelmäßigkeiten
  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • trockene Schleimhäute
  • verminderte Knochendichte
  • Stimmungsschwankungen


Erhöhte Östradiolwerte können beispielsweise im Rahmen hormoneller Therapien, bei bestimmten Eierstockzysten oder bei einem Übergewicht auftreten, da auch Fettgewebe zur Östrogenbildung beiträgt.

Die Beurteilung des Östradiols erfolgt häufig gemeinsam mit weiteren Hormonen wie Progesteron, LH, FSH und gegebenenfalls Testosteron. Besonders wichtig ist dabei nicht nur der einzelne Laborwert, sondern das Zusammenspiel der verschiedenen Hormone.

Referenzbereich (Östradiol):

• Frauen (Follikelphase): ca. 20–150 pg/ml

• Frauen (Ovulationsphase): ca. 150–750 pg/ml

• Frauen (Lutealphase): ca. 30–450 pg/ml

• Frauen (Postmenopause): unter 30 pg/ml

• Männer: ca. 10–40 pg/ml

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht, Zyklusphase und Messverfahren variieren.

Hinweis: Östradiol wird häufig als „weibliches Haupthormon“ bezeichnet. Seine Wirkung beschränkt sich jedoch nicht auf die Fortpflanzung. Auch Knochen, Gehirn, Haut, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel werden wesentlich durch Östrogene beeinflusst.

SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)

SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) ist ein Transporteiweiß, das überwiegend in der Leber gebildet wird. Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, Geschlechtshormone wie Testosteron und Östradiol im Blut zu binden und zu transportieren. Nur der nicht gebundene Anteil dieser Hormone steht den Körperzellen direkt zur Verfügung und kann biologisch wirksam werden.

SHBG ist wichtig für:

  • Den Transport von Testosteron und Östradiol im Blut
  • Die Regulation der biologischen Verfügbarkeit von Geschlechtshormonen
  • Die Beurteilung des Hormonhaushalts
  • Die Diagnostik hormoneller Störungen
  • Die Abschätzung des freien Testosterons

Die Bildung von SHBG erfolgt hauptsächlich in der Leber und wird durch verschiedene Hormone, Stoffwechselprozesse und Erkrankungen beeinflusst. Veränderungen der SHBG-Konzentration können die Menge an frei verfügbarem Testosteron und Östradiol erheblich beeinflussen, auch wenn die Gesamthormonwerte unverändert erscheinen.

Erhöhte SHBG-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Lebererkrankungen
  • Östrogentherapie
  • Schwangerschaft
  • Untergewicht
  • Höherem Lebensalter
  • Bestimmten genetischen Faktoren


Erniedrigte SHBG-Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Übergewicht und Adipositas
  • Insulinresistenz
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Metabolischem Syndrom
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Erhöhten Androgenspiegeln
  • Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Bestimmten Lebererkrankungen


Veränderte SHBG-Werte verursachen selbst keine Beschwerden. Die Symptome entstehen durch die zugrunde liegende hormonelle oder stoffwechselbedingte Störung. Je nach Situation können beispielsweise Zyklusstörungen, Fruchtbarkeitsprobleme, Libidoveränderungen, Akne, vermehrte Körperbehaarung oder Symptome eines Testosteronmangels auftreten.

Bei der Interpretation des SHBG-Wertes sollte berücksichtigt werden, dass der Laborwert allein nur begrenzt aussagekräftig ist. Besonders wichtig ist die gemeinsame Beurteilung mit den Konzentrationen von Testosteron und Östradiol. Häufig wird aus diesen Werten zusätzlich der freie Androgenindex (FAI) berechnet, um die biologisch verfügbare Hormonmenge besser einschätzen zu können.

Zur Beurteilung des Hormonhaushalts werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • Testosteron
  • Freies Testosteron
  • Östradiol
  • LH (Luteinisierendes Hormon)
  • FSH (Follikelstimulierendes Hormon)
  • DHEA-S
  • Androstendion
  • Prolaktin
  • Albumin

Referenzbereich (SHBG):

• Frauen: ca. 18–144 nmol/l

• Männer: ca. 10–57 nmol/l

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht und Messverfahren variieren.

Hinweis: SHBG ist das wichtigste Transportprotein für Geschlechtshormone im Blut. Veränderungen des SHBG-Wertes können die Verfügbarkeit von Testosteron und Östradiol beeinflussen und wichtige Hinweise auf hormonelle oder stoffwechselbedingte Störungen liefern. Die Interpretation sollte stets gemeinsam mit den entsprechenden Hormonwerten erfolgen.

FSH (Follikelstimulierendes Hormon)

FSH (Follikelstimulierendes Hormon) ist ein Hormon des Hypophysenvorderlappens (Hirnanhangsdrüse) und gehört zu den sogenannten Gonadotropinen. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation der Fortpflanzungsfunktion und beeinflusst sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Bildung von Keimzellen und die Funktion der Geschlechtsorgane.


FSH ist wichtig für:

  • Die Reifung der Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken
  • Die Regulation des weiblichen Menstruationszyklus
  • Die Bildung von Östrogenen
  • Die Spermienbildung in den Hoden
  • Die Regulation der Fruchtbarkeit
  • Die Funktion der Geschlechtsdrüsen


Die Freisetzung von FSH wird durch das Hormon GnRH aus dem Hypothalamus gesteuert. Zusätzlich beeinflussen die Geschlechtshormone Östrogen, Progesteron, Testosteron und Inhibin die FSH-Produktion über komplexe Rückkopplungsmechanismen.


Erhöhte FSH-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Wechseljahren (Menopause)
  • Vorzeitiger Funktionsstörung der Eierstöcke
  • Primärer Ovarialinsuffizienz
  • Verminderter Hodenfunktion
  • Bestimmten genetischen Erkrankungen
  • Nach Entfernung oder Schädigung der Keimdrüsen


Erniedrigte FSH-Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Erkrankungen des Hypothalamus
  • Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse
  • Hypogonadotropem Hypogonadismus
  • Starkem Untergewicht
  • Chronischem Stress
  • Schweren Allgemeinerkrankungen
  • Bestimmten Medikamenteneinflüssen


Veränderte FSH-Werte verursachen selbst keine Beschwerden. Die Symptome entstehen durch die zugrunde liegende Störung der Hormonregulation. Bei Frauen können Zyklusstörungen, ausbleibende Menstruationsblutungen oder unerfüllter Kinderwunsch auftreten. Bei Männern können Fruchtbarkeitsstörungen, verminderte Spermienbildung oder hormonelle Veränderungen beobachtet werden.

Bei der Interpretation des FSH-Wertes sollte berücksichtigt werden, dass die Konzentration bei Frauen vom Alter und von der Zyklusphase abhängig ist. Daher erfolgt die Beurteilung häufig gemeinsam mit weiteren Hormonen des Fortpflanzungssystems. Bei Männern unterliegt FSH geringeren physiologischen Schwankungen.


Zur Beurteilung der Geschlechtshormonachse werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • LH (Luteinisierendes Hormon)
  • Östradiol
  • Progesteron
  • Testosteron
  • Prolaktin
  • Anti-Müller-Hormon (AMH)
  • Inhibin B
  • SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)


Referenzbereich (FSH – Follikelstimulierendes Hormon):

• Frauen (Follikelphase): ca. 3–12 IU/l

• Frauen (Ovulationsphase): ca. 5–25 IU/l

• Frauen (Lutealphase): ca. 1–9 IU/l

• Frauen (Postmenopause): ca. 25–135 IU/l

• Männer: ca. 1–12 IU/l

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht, Zyklusphase und Messverfahren variieren.

Hinweis: FSH ist ein zentrales Steuerhormon der Fortpflanzungsfunktion. Veränderungen des FSH-Wertes können auf Störungen der Eierstock-, Hoden-, Hypophysen- oder Hypothalamusfunktion hinweisen. Die Interpretation sollte stets gemeinsam mit weiteren Hormonwerten sowie dem Alter, Geschlecht und klinischen Kontext erfolgen.

LH (Luteinisierendes Hormon)

LH (Luteinisierendes Hormon) ist ein Hormon des Hypophysenvorderlappens (Hirnanhangsdrüse) und gehört gemeinsam mit FSH zu den sogenannten Gonadotropinen. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation der Fortpflanzungsfunktion und beeinflusst die Bildung von Geschlechtshormonen sowie die Funktion der Eierstöcke und Hoden.

LH ist wichtig für:

  • Die Auslösung des Eisprungs (Ovulation)
  • Die Bildung des Gelbkörpers nach dem Eisprung
  • Die Produktion von Progesteron in den Eierstöcken
  • Die Bildung von Testosteron in den Hoden
  • Die Regulation des Menstruationszyklus
  • Die Steuerung der Fruchtbarkeit


Die Freisetzung von LH wird durch das Hormon GnRH aus dem Hypothalamus gesteuert. Über Rückkopplungsmechanismen beeinflussen Östrogene, Progesteron und Testosteron die LH-Produktion. Bei Frauen kommt es kurz vor dem Eisprung zu einem charakteristischen starken Anstieg des LH-Spiegels, dem sogenannten LH-Peak.

Erhöhte LH-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Wechseljahren (Menopause)
  • Primärer Ovarialinsuffizienz
  • Verminderter Hodenfunktion
  • Bestimmten genetischen Erkrankungen
  • Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Nach Schädigung oder Entfernung der Keimdrüsen

Erniedrigte LH-Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Erkrankungen des Hypothalamus
  • Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse
  • Hypogonadotropem Hypogonadismus
  • Starkem Untergewicht
  • Chronischem Stress
  • Schweren Allgemeinerkrankungen
  • Bestimmten Medikamenteneinflüssen


Veränderte LH-Werte verursachen selbst keine Beschwerden. Die Symptome entstehen durch die zugrunde liegende Störung der Hormonregulation. Bei Frauen können Zyklusstörungen, ausbleibende Eisprünge oder unerfüllter Kinderwunsch auftreten. Bei Männern können eine verminderte Testosteronproduktion, Fruchtbarkeitsstörungen oder Beschwerden eines Testosteronmangels beobachtet werden.

Bei der Interpretation des LH-Wertes sollte berücksichtigt werden, dass die Konzentration bei Frauen stark von der Zyklusphase abhängig ist. Besonders wichtig ist die Beurteilung im Zusammenhang mit FSH und den Geschlechtshormonen. Bei Männern sind die Schwankungen deutlich geringer.

Zur Beurteilung der Geschlechtshormonachse werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • FSH (Follikelstimulierendes Hormon)
  • Östradiol
  • Progesteron
  • Testosteron
  • Prolaktin
  • SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)
  • Anti-Müller-Hormon (AMH)
  • Inhibin B

Referenzbereich (LH – Luteinisierendes Hormon):

• Frauen (Follikelphase): ca. 2–12 IU/l

• Frauen (Ovulationsphase): ca. 14–96 IU/l

• Frauen (Lutealphase): ca. 1–14 IU/l

• Frauen (Postmenopause): ca. 8–58 IU/l

• Männer: ca. 1–9 IU/l

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht, Zyklusphase und Messverfahren variieren.

Hinweis: LH ist ein zentrales Steuerhormon der Fortpflanzungsfunktion. Es reguliert den Eisprung bei Frauen und die Testosteronproduktion bei Männern. Veränderungen des LH-Wertes können auf Störungen der Eierstock-, Hoden-, Hypophysen- oder Hypothalamusfunktion hinweisen und sollten stets gemeinsam mit weiteren Hormonwerten beurteilt werden.

Freier Androgen-Index (FAI)

Der freie Androgen-Index (FAI) ist ein berechneter Laborwert zur Abschätzung der biologisch verfügbaren männlichen Geschlechtshormone (Androgene) im Blut. Er ergibt sich aus dem Verhältnis von Gesamt-Testosteron zu SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) und gibt Hinweise darauf, wie viel Testosteron dem Körper tatsächlich zur Verfügung steht.

Da ein großer Teil des Testosterons an SHBG gebunden ist und somit biologisch nicht aktiv wirkt, kann der freie Androgen-Index oft aussagekräftiger sein als die alleinige Bestimmung des Gesamt-Testosterons.

Der freie Androgen-Index ist wichtig für:

  • Die Beurteilung des Androgenstatus
  • Die Diagnostik hormoneller Störungen
  • Die Abklärung eines Testosteronmangels
  • Die Untersuchung erhöhter Androgenspiegel
  • Die Diagnostik des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS)
  • Die Beurteilung von Zyklus- und Fruchtbarkeitsstörungen


Erhöhte FAI-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Verminderten SHBG-Werten
  • Androgenproduzierenden Tumoren
  • Hormonellen Regulationsstörungen
  • Insulinresistenz

Erniedrigte FAI-Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Testosteronmangel
  • Erhöhten SHBG-Werten
  • Hypogonadismus
  • Bestimmten Lebererkrankungen
  • Hormonellen Störungen


Mögliche Beschwerden bei erhöhten Androgenspiegeln können sein:

  • Akne
  • Vermehrte Körperbehaarung
  • Haarausfall
  • Zyklusstörungen
  • Unerfüllter Kinderwunsch

Mögliche Beschwerden bei erniedrigten Werten können sein:

  • Müdigkeit
  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Libidoverlust
  • Verminderte Muskelkraft
  • Stimmungsschwankungen


Bei der Interpretation des freien Androgen-Index sollte berücksichtigt werden, dass Alter, Geschlecht und die Konzentration von SHBG einen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis haben.

Zur Beurteilung des Hormonstatus werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • Testosteron
  • Freies Testosteron
  • SHBG
  • DHEA-S
  • Androstendion
  • LH
  • FSH
  • Östradiol
  • Progesteron


Referenzbereich (Freier Androgen-Index):

• Frauen: ca. 0,3–5,0

• Männer: ca. 30–150

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht und Berechnungsmethode variieren.

Hinweis: Der freie Androgen-Index ist ein berechneter Wert zur Abschätzung der biologisch verfügbaren Androgene. Die Interpretation sollte stets gemeinsam mit Testosteron, SHBG und weiteren Hormonwerten erfolgen.

Testosteron

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon (Androgen). Es wird überwiegend in den Hoden gebildet, in geringeren Mengen auch in den Nebennieren. Bei Frauen entsteht Testosteron vor allem in den Eierstöcken und Nebennieren.

Obwohl Testosteron häufig mit Muskelaufbau und Männlichkeit in Verbindung gebracht wird, beeinflusst es zahlreiche Körperfunktionen. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung der Geschlechtsorgane, die Spermienbildung, die Muskel- und Knochengesundheit, die Blutbildung sowie Libido, Energie und psychisches Wohlbefinden.

Bei Männern können erniedrigte Testosteronwerte unter anderem mit folgenden Beschwerden einhergehen:

  • Verminderte Libido
  • Erektionsstörungen
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Abnahme von Muskelkraft und Muskelmasse
  • Konzentrationsstörungen
  • Stimmungsschwankungen

Bei Frauen spielt Testosteron ebenfalls eine wichtige Rolle für Energie, Leistungsfähigkeit, Muskelstoffwechsel und sexuelles Verlangen. Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Werte können Beschwerden verursachen.

Erhöhte Testosteronwerte bei Frauen werden unter anderem bei einem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) beobachtet und können mit Akne, verstärkter Körperbehaarung oder Zyklusstörungen einhergehen.

Für die Beurteilung des Testosteronstatus reicht die Bestimmung des Gesamt-Testosterons allein häufig nicht aus. Zusätzlich können Laborwerte wie freies Testosteron, SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) und gegebenenfalls DHEA-S wichtige Hinweise liefern.

Die Interpretation sollte immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Alter, Geschlecht und weiteren Hormonwerten erfolgen, da die individuelle Hormonbalance oft aussagekräftiger ist als ein einzelner Laborwert.

Referenzbereich (Testosteron):

• Frauen: ca. 0,1–0,8 ng/ml

• Männer: ca. 2,5–8,5 ng/ml

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht und Messverfahren variieren.

Hinweis: Ein Testosteronwert im Referenzbereich schließt hormonelle Beschwerden nicht zwangsläufig aus. Entscheidend ist häufig, wie viel biologisch aktives (freies) Testosteron dem Körper tatsächlich zur Verfügung steht und wie das Hormon mit anderen Botenstoffen zusammenwirkt.

Freies Testosteron

Freies Testosteron bezeichnet den Anteil des Testosterons im Blut, der nicht an Transporteiweiße gebunden ist und dem Körper unmittelbar zur Verfügung steht. Obwohl nur ein kleiner Teil des gesamten Testosterons frei vorliegt, ist dieser biologisch besonders aktiv und für viele Wirkungen des Hormons verantwortlich.

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon, kommt jedoch auch bei Frauen in geringeren Mengen vor. Es beeinflusst unter anderem Muskelaufbau, Knochengesundheit, Leistungsfähigkeit, Libido und das allgemeine Wohlbefinden.

Die Bestimmung des freien Testosterons ermöglicht eine genauere Beurteilung des Hormonstatus als die alleinige Messung des Gesamt-Testosterons, insbesondere wenn die Konzentration des SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) verändert ist.

Freies Testosteron ist wichtig für:

  • Muskelaufbau und Muskelerhalt
  • Knochengesundheit
  • Libido und Sexualfunktion
  • Leistungsfähigkeit und Energie
  • Fruchtbarkeit
  • Stimmung und Wohlbefinden
  • Hormonelle Regulation


Erhöhte Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Verminderten SHBG-Werten
  • Androgenproduzierenden Tumoren
  • Bestimmten hormonellen Störungen
  • Einnahme androgenhaltiger Präparate


Erniedrigte Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Hypogonadismus
  • Höherem Lebensalter
  • Erhöhten SHBG-Werten
  • Chronischen Erkrankungen
  • Hormonellen Regulationsstörungen
  • Bestimmten Medikamenteneinflüssen


Mögliche Beschwerden bei erhöhten Werten können sein:

  • Akne
  • Vermehrte Körperbehaarung
  • Haarausfall
  • Zyklusstörungen
  • Hautveränderungen


Mögliche Beschwerden bei erniedrigten Werten können sein:

  • Müdigkeit
  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Libidoverlust
  • Muskelabbau
  • Stimmungsschwankungen
  • Verminderte körperliche Belastbarkeit


Bei der Interpretation des freien Testosterons sollte berücksichtigt werden, dass Alter, Geschlecht sowie die Konzentration von SHBG einen wesentlichen Einfluss auf die Werte haben. Die Beurteilung erfolgt daher meist gemeinsam mit weiteren Hormonparametern.

Zur Beurteilung des Hormonstatus werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • Gesamt-Testosteron
  • SHBG
  • Freier Androgen-Index (FAI)
  • DHEA-S
  • Androstendion
  • LH
  • FSH
  • Östradiol
  • Progesteron


Referenzbereich (Freies Testosteron):

• Frauen: ca. 0,1–3,0 pg/ml

• Männer: ca. 5–25 pg/ml

Referenzbereiche können je nach Alter, Geschlecht, Labor, Messverfahren und Berechnungsmethode variieren.

Hinweis: Freies Testosteron stellt den biologisch aktiven Anteil des Testosterons dar. Die Interpretation sollte stets gemeinsam mit Gesamt-Testosteron, SHBG und weiteren Hormonwerten erfolgen.

Androstendion

Androstendion ist ein Steroidhormon, das vor allem in den Nebennieren, den Eierstöcken und den Hoden gebildet wird. Es dient als Vorstufe für die Bildung der Geschlechtshormone Testosteron und Östrogene und spielt eine wichtige Rolle im Hormonstoffwechsel von Frauen und Männern.

Die Bestimmung von Androstendion wird häufig zur Beurteilung der Nebennierenfunktion sowie zur Abklärung hormoneller Störungen eingesetzt. Besonders bei Verdacht auf eine vermehrte Bildung männlicher Geschlechtshormone (Androgene) kann der Wert wichtige Hinweise liefern.

Androstendion ist wichtig für:

  • Die Bildung von Testosteron
  • Die Bildung von Östrogenen
  • Die Beurteilung des Androgenstoffwechsels
  • Die Diagnostik hormoneller Störungen
  • Die Abklärung von Zyklusstörungen
  • Die Beurteilung der Nebennierenfunktion

Erhöhte Androstendionwerte können unter anderem auftreten bei:

  • Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Nebennierenrindenhyperplasie
  • Androgenproduzierenden Tumoren
  • Bestimmten Nebennierenerkrankungen
  • Hormonellen Regulationsstörungen


Erniedrigte Androstendionwerte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Nebenniereninsuffizienz
  • Eingeschränkter Funktion der Eierstöcke
  • Eingeschränkter Hodenfunktion
  • Bestimmten hormonellen Erkrankungen


Mögliche Beschwerden bei erhöhten Androgenspiegeln können sein:

  • Akne
  • Vermehrte Körperbehaarung
  • Zyklusstörungen
  • Haarausfall
  • Unerfüllter Kinderwunsch

Erniedrigte Werte verursachen häufig keine spezifischen Beschwerden und sollten immer im Zusammenhang mit weiteren Hormonwerten beurteilt werden.

Bei der Interpretation des Androstendions sollte berücksichtigt werden, dass Alter, Geschlecht und bei Frauen der Zykluszeitpunkt einen erheblichen Einfluss auf die Messergebnisse haben können.

Zur Beurteilung des Hormonstoffwechsels werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • Testosteron
  • Freies Testosteron
  • SHBG
  • DHEA-S
  • Cortisol
  • LH
  • FSH
  • Östradiol
  • Progesteron


Referenzbereich (Androstendion):

• Frauen: ca. 0,3–3,5 ng/ml

• Männer: ca. 0,6–3,1 ng/ml

Referenzbereiche können je nach Alter, Geschlecht, Zyklusphase, Labor und Messverfahren geringfügig abweichen.

Hinweis: Androstendion ist eine wichtige Vorstufe der männlichen und weiblichen Geschlechtshormone. Die Beurteilung sollte stets gemeinsam mit weiteren Hormonwerten und dem klinischen Befund erfolgen.

Prolaktin

Prolaktin ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird. Seine wichtigste Aufgabe besteht in der Vorbereitung und Aufrechterhaltung der Milchbildung nach einer Schwangerschaft. Darüber hinaus beeinflusst Prolaktin verschiedene hormonelle Regelkreise und steht in enger Wechselwirkung mit den Geschlechtshormonen.

Die Prolaktinkonzentration unterliegt natürlichen Schwankungen und kann unter anderem durch Schlaf, körperliche Belastung, Stress oder sexuelle Aktivität vorübergehend ansteigen. Daher sollte die Blutentnahme möglichst in Ruhe und unter standardisierten Bedingungen erfolgen.

Erhöhte Prolaktinwerte können bei Frauen und Männern Beschwerden verursachen.


Mögliche Folgen erhöhter Prolaktinwerte sind:

  • Zyklusstörungen
  • Ausbleiben des Eisprungs
  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Verminderte Libido
  • Brustspannen
  • Milchfluss außerhalb der Stillzeit (Galaktorrhoe)

Bei Männern können erhöhte Werte unter anderem zu Libidoverlust, Erektionsstörungen oder einer verminderten Testosteronproduktion beitragen.


Ursachen erhöhter Prolaktinwerte können beispielsweise sein:

  • Stress
  • Bestimmte Medikamente
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Gutartige Veränderungen der Hypophyse (Prolaktinom)


Erniedrigte Prolaktinwerte haben meist eine geringere klinische Bedeutung und werden deutlich seltener beobachtet.

Die Beurteilung des Prolaktins erfolgt häufig gemeinsam mit weiteren Hormonwerten wie LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Testosteron und den Schilddrüsenwerten.

Referenzbereich (Prolaktin):

• Frauen: ca. 5–25 ng/ml

• Männer: ca. 3–15 ng/ml

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht und Messverfahren variieren

Hinweis: Erniedrigte Prolaktinwerte haben meist eine geringere klinische Bedeutung und werden deutlich seltener beobachtet.

Die Beurteilung des Prolaktins erfolgt häufig gemeinsam mit weiteren Hormonwerten wie LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Testosteron und den Schilddrüsenwerten.


HCG (Humanes Choriongonadotropin)

HCG (Humanes Choriongonadotropin) ist ein Hormon, das vor allem während der Schwangerschaft gebildet wird. Es wird zunächst von den Zellen des frühen Embryos und später überwiegend von der Plazenta produziert. HCG spielt eine entscheidende Rolle für den Erhalt der Schwangerschaft, da es die Produktion von Progesteron unterstützt.

Die Bestimmung von HCG wird hauptsächlich zum Nachweis und zur Verlaufskontrolle einer Schwangerschaft eingesetzt. Darüber hinaus kann HCG als Tumormarker bei bestimmten Tumorerkrankungen von Bedeutung sein.

HCG ist wichtig für:

  • Den Nachweis einer Schwangerschaft
  • Die Überwachung des Schwangerschaftsverlaufs
  • Die Unterstützung der Progesteronproduktion
  • Die Diagnostik bestimmter Tumorerkrankungen
  • Die Verlaufskontrolle von Keimzelltumoren


Erhöhte HCG-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Schwangerschaft
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Blasenmole
  • Bestimmten Keimzelltumoren
  • Chorionkarzinom
  • Seltenen anderen Tumorerkrankungen


Erniedrigte HCG-Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Gestörter Schwangerschaftsentwicklung
  • Drohender Fehlgeburt
  • Eileiterschwangerschaft
  • Plazentafunktionsstörungen


Veränderte HCG-Werte verursachen selbst keine Beschwerden. Die Symptome richten sich nach der zugrunde liegenden Situation oder Erkrankung.

Bei der Interpretation des HCG-Wertes sollte berücksichtigt werden, dass die Konzentration während einer Schwangerschaft stark von der Schwangerschaftswoche abhängt. Einzelwerte sollten daher stets im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Zur Beurteilung von Schwangerschaft und Hormonstatus werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • Progesteron
  • Östradiol
  • LH
  • FSH
  • Prolaktin
  • Testosteron


Referenzbereich (HCG):

• Nicht schwangere Frauen: unter 5 IU/l

• Männer: unter 5 IU/l

Referenzbereiche können je nach Labor und Messverfahren geringfügig abweichen.

Hinweis: HCG ist der wichtigste Laborwert zum Nachweis einer Schwangerschaft. Außerhalb einer Schwangerschaft können erhöhte Werte in seltenen Fällen auf bestimmte Tumorerkrankungen hinweisen. Die Interpretation sollte stets gemeinsam mit dem klinischen Befund und weiteren Untersuchungen erfolgen.

Pregnenolon

Pregnenolon ist ein Steroidhormon, das aus Cholesterin gebildet wird und als Ausgangssubstanz für zahlreiche weitere Hormone dient. Es wird hauptsächlich in den Nebennieren, den Geschlechtsorganen und in geringerem Umfang auch im Nervensystem produziert. Aufgrund seiner zentralen Rolle wird Pregnenolon häufig als „Mutterhormon“ bezeichnet.

Aus Pregnenolon entstehen unter anderem Progesteron, DHEA, Cortisol, Aldosteron, Testosteron und Östrogene. Damit nimmt es eine Schlüsselstellung im gesamten Hormonstoffwechsel ein.

Pregnenolon ist wichtig für:

  • Die Bildung von Steroidhormonen
  • Die Funktion der Nebennieren
  • Die Bildung von Geschlechtshormonen
  • Die Produktion von Cortisol
  • Die Regulation verschiedener Stoffwechselprozesse
  • Die Funktion des Nervensystems


Erhöhte Pregnenolonwerte können unter anderem auftreten bei:

  • Hormontherapien
  • Nahrungsergänzungen mit Pregnenolon
  • Bestimmten Enzymstörungen der Nebennieren
  • Seltenen hormonbildenden Tumoren


Erniedrigte Pregnenolonwerte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Nebenniereninsuffizienz
  • Chronischer Belastung
  • Hormonellen Regulationsstörungen
  • Bestimmten Stoffwechselerkrankungen
  • Altersbedingter Abnahme der Hormonproduktion


Mögliche Beschwerden bei hormonellen Störungen können sein:

  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Verminderte Belastbarkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Hormonelle Dysbalancen


Bei der Interpretation des Pregnenolonwertes sollte berücksichtigt werden, dass die Konzentration von Alter, Geschlecht und individuellen hormonellen Faktoren beeinflusst wird. Zudem bestehen zwischen den Laboren teilweise deutliche Unterschiede hinsichtlich der Referenzbereiche.

Zur Beurteilung des Hormon- und Nebennierenstoffwechsels werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • DHEA-S
  • Cortisol
  • Progesteron
  • Testosteron
  • Freies Testosteron

Östradiol

  • Androstendion
  • ACTH


Referenzbereich (Pregnenolon):

• Alters- und geschlechtsabhängig

Referenzbereiche können je nach Alter, Geschlecht, Labor und Messverfahren erheblich variieren.

Hinweis: Pregnenolon ist die Ausgangssubstanz zahlreicher Steroidhormone und nimmt eine zentrale Stellung im Hormonstoffwechsel ein. Die Interpretation sollte stets gemeinsam mit weiteren Hormonwerten und dem klinischen Befund erfolgen.

Cortisol

Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es gehört zu den sogenannten Stresshormonen und spielt eine zentrale Rolle bei der Anpassung des Körpers an körperliche und psychische Belastungen.

Zu den wichtigsten Aufgaben von Cortisol gehören die Regulation des Energiehaushalts, die Steuerung des Blutzuckerspiegels, die Beeinflussung des Immunsystems sowie die Kontrolle von Entzündungsreaktionen. Darüber hinaus wirkt Cortisol auf Herz-Kreislauf-System, Nervensystem und Stoffwechsel.

Die Cortisolproduktion folgt einem natürlichen Tagesrhythmus. Die höchsten Werte werden normalerweise in den frühen Morgenstunden gemessen, während die Konzentration im Laufe des Tages kontinuierlich abnimmt und nachts ihren niedrigsten Stand erreicht.

Erhöhte Cortisolwerte können unter anderem auftreten bei:

  • Anhaltendem körperlichem oder psychischem Stress
  • Schlafmangel
  • Akuten Erkrankungen
  • Bestimmten Medikamenten
  • Hormonellen Störungen

Mögliche Folgen dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel können sein:

  • Schlafstörungen
  • Erschöpfung
  • Gewichtszunahme
  • Erhöhter Blutzucker
  • Konzentrationsstörungen
  • Verminderte Regenerationsfähigkeit

Zu niedrige Cortisolwerte können auf eine eingeschränkte Funktion der Nebennieren oder Störungen der hormonellen Steuerung hinweisen. Mögliche Beschwerden sind unter anderem ausgeprägte Müdigkeit, Leistungsabfall, niedriger Blutdruck oder eine verminderte Belastbarkeit.

Für die Beurteilung des Cortisolspiegels können sowohl Blut-, Speichel- als auch Urinuntersuchungen eingesetzt werden. Da Cortisol starken tageszeitlichen Schwankungen unterliegt, ist der Zeitpunkt der Messung besonders wichtig.

Referenzbereich (Cortisol):

• Morgens (ca. 6–10 Uhr): 5–25 µg/dl

• Nachmittags (ca. 16–20 Uhr): 3–12 µg/dl

• Mitternacht: < 5 µg/dl

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Tageszeit und Messverfahren variieren.

Hinweis: Cortisol wird häufig als „Stresshormon“ bezeichnet. Tatsächlich erfüllt es jedoch weit mehr Aufgaben als die reine Stressbewältigung und ist für Energieversorgung, Stoffwechsel, Entzündungsregulation und die Anpassungsfähigkeit des Körpers unverzichtbar.

Anti-Müller-Hormon (AMH)

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist ein Hormon, das bei Frauen in den heranreifenden Eibläschen (Follikeln) der Eierstöcke gebildet wird. Es gilt als wichtiger Marker für die sogenannte ovarielle Reserve, also die Anzahl der noch verfügbaren Eizellen.

Da die AMH-Konzentration relativ unabhängig vom Menstruationszyklus ist, kann der Wert an nahezu jedem Zyklustag bestimmt werden. Deshalb hat sich AMH als wichtiger Laborparameter in der Fruchtbarkeitsdiagnostik etabliert.

Bei Frauen kann die Bestimmung des AMH unter anderem Hinweise liefern auf:

  • Die Eizellreserve der Eierstöcke
  • Die Fruchtbarkeit
  • Das Ansprechen auf Kinderwunschbehandlungen
  • Die Annäherung an die Wechseljahre
  • Das Vorliegen eines polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS)


Niedrige AMH-Werte können auf eine verminderte ovarielle Reserve hinweisen und werden häufiger mit zunehmendem Alter beobachtet.

Erhöhte AMH-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Erhöhter Anzahl heranreifender Follikel
  • Bestimmten hormonellen Störungen


Wichtig ist, dass das AMH keine Aussage über die Qualität der Eizellen trifft. Der Wert beschreibt vor allem die vorhandene Eizellreserve und sollte immer gemeinsam mit Alter, Zyklusverlauf, weiteren Hormonwerten und der individuellen Situation beurteilt werden.

Auch bei Männern wird AMH gebildet. Dort spielt das Hormon insbesondere während der Entwicklung der Geschlechtsorgane eine wichtige Rolle. In der Erwachsenenmedizin steht jedoch meist die Bestimmung bei Frauen im Vordergrund.

Referenzbereich (Anti-Müller-Hormon, AMH):

• Frauen (reproduktives Alter): ca. 1,0–8,0 ng/ml

• Postmenopause: meist < 0,5 ng/ml

• Männer: ca. 1,0–15,0 ng/ml

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht und Messverfahren variieren.

Hinweis: Das Anti-Müller-Hormon ist einer der wichtigsten Laborwerte zur Beurteilung der Eizellreserve. Der Wert kann wertvolle Hinweise auf die ovarielle Funktion und die Fruchtbarkeit liefern, sollte jedoch immer im Zusammenhang mit weiteren Untersuchungen und der individuellen Lebenssituation interpretiert werden.

Parathormon (PTH)

Das Parathormon (PTH) ist ein Hormon, das in den Nebenschilddrüsen gebildet wird. Seine wichtigste Aufgabe besteht in der Regulation des Calcium- und Phosphatstoffwechsels. Gemeinsam mit Vitamin D und Calcitonin sorgt Parathormon dafür, dass der Calciumspiegel im Blut innerhalb enger Grenzen konstant gehalten wird.

Calcium ist für zahlreiche Körperfunktionen unverzichtbar. Es wird unter anderem für die Muskelkontraktion, die Nervenfunktion, die Blutgerinnung sowie die Stabilität von Knochen und Zähnen benötigt.

Sinkt der Calciumspiegel im Blut, steigt die Ausschüttung von Parathormon an. Das Hormon trägt dann dazu bei, Calcium aus den Knochen freizusetzen, die Calciumaufnahme im Darm zu fördern und die Ausscheidung über die Nieren zu reduzieren.

Erhöhte Parathormonwerte können unter anderem auftreten bei:

  • Vitamin-D-Mangel
  • Calcium-Mangel
  • Chronischen Nierenerkrankungen
  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus)
  • Störungen des Calciumstoffwechsels


Erniedrigte Parathormonwerte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus)
  • Erhöhten Calciumwerten
  • Bestimmten Stoffwechselstörungen
  • Nach Operationen im Halsbereich


Die Beurteilung des Parathormons erfolgt in der Regel gemeinsam mit weiteren Laborwerten wie:

  • Calcium
  • Ionisiertem Calcium
  • Phosphat
  • Vitamin D
  • Magnesium
  • Nierenwerten

Erst das Zusammenspiel dieser Parameter ermöglicht eine zuverlässige Einschätzung des Calcium- und Knochenstoffwechsels.

Referenzbereich (Parathormon, PTH):

• Erwachsene: ca. 15–65 pg/ml

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Vitamin-D-Status, Nierenfunktion und Messverfahren variieren.

Hinweis: Parathormon ist einer der wichtigsten Regulatoren des Calciumhaushalts. Der Laborwert liefert wertvolle Hinweise auf die Funktion der Nebenschilddrüsen sowie auf Störungen des Knochen-, Mineralstoff- und Vitamin-D-Stoffwechsels. Die Interpretation sollte immer gemeinsam mit Calcium- und Vitamin-D-Werten erfolgen.

IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1)

IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1), auch insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1 genannt, ist ein Hormon, das überwiegend in der Leber gebildet wird. Seine Produktion wird durch das Wachstumshormon (Somatotropin, HGH) angeregt. IGF-1 spielt eine wichtige Rolle für Wachstum, Zellteilung, Regeneration und den Erhalt von Muskel- und Knochenmasse.

Da die Konzentration des Wachstumshormons im Tagesverlauf stark schwankt, wird zur Beurteilung der Wachstumshormonachse häufig IGF-1 bestimmt. Der Wert ist deutlich stabiler und erlaubt eine bessere Einschätzung der langfristigen Wachstumshormonaktivität.

IGF-1 ist wichtig für:

  • Wachstum und Entwicklung
  • Zellteilung und Geweberegeneration
  • Muskelaufbau und Muskelerhalt
  • Knochenstoffwechsel
  • Eiweißstoffwechsel
  • Regulation der Wachstumshormonachse
  • Stoffwechselprozesse im gesamten Körper


Erhöhte IGF-1-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Akromegalie
  • Wachstumshormon-produzierenden Tumoren
  • Wachstumshormontherapie
  • Bestimmten Stoffwechselstörungen


Erniedrigte IGF-1-Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Wachstumshormonmangel
  • Höherem Lebensalter
  • Lebererkrankungen
  • Mangelernährung
  • Chronischen Erkrankungen
  • Schweren Entzündungen
  • Untergewicht

Mögliche Beschwerden bei erniedrigten Werten können sein:

  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Muskelabbau
  • Erhöhte Müdigkeit
  • Verminderte Regenerationsfähigkeit
  • Reduzierte Knochendichte
  • Verminderte körperliche Belastbarkeit


Erhöhte Werte können je nach Ursache mit Veränderungen des Knochen- und Weichteilwachstums verbunden sein.

Bei der Interpretation des IGF-1-Wertes sollte berücksichtigt werden, dass Alter und Geschlecht einen erheblichen Einfluss auf die Referenzbereiche haben. Die Bewertung erfolgt daher immer anhand altersabhängiger Normwerte.

Zur Beurteilung der Wachstumshormon- und Hormonachse werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • Wachstumshormon (HGH, STH)
  • DHEA-S
  • Cortisol
  • Testosteron
  • Östradiol
  • SHBG
  • TSH
  • fT3
  • fT4


Referenzbereich (IGF-1):

• Alters- und geschlechtsabhängig

Referenzbereiche können je nach Alter, Geschlecht, Labor und Messverfahren erheblich variieren.

Hinweis: Die Interpretation von IGF-1 erfolgt immer anhand altersabhängiger Referenzbereiche. Ein einzelner Wert sollte stets gemeinsam mit Beschwerden, klinischem Befund und weiteren Hormonwerten beurteilt werden.

Humanes Wachstumshormon (hGH) (STH)

Das humane Wachstumshormon (hGH, Human Growth Hormone), auch Somatotropin genannt, ist ein Hormon des Hypophysenvorderlappens. Es spielt eine zentrale Rolle für Wachstum, Zellregeneration, Muskelaufbau, Fettstoffwechsel und zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper.

Die Ausschüttung von hGH erfolgt nicht kontinuierlich, sondern in Pulsen, insbesondere während des Schlafes. Die Konzentration im Blut kann daher im Tagesverlauf erheblich schwanken. Aus diesem Grund wird in der Praxis häufig zusätzlich der IGF-1-Wert bestimmt, der die Wirkung des Wachstumshormons über einen längeren Zeitraum widerspiegelt.

hGH ist besonders wichtig für:

  • Wachstum und Entwicklung
  • Muskelaufbau
  • Fettstoffwechsel
  • Knochenstoffwechsel
  • Zellregeneration
  • Wundheilung
  • Energiehaushalt
  • Stoffwechselregulation


Erhöhte hGH-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Akromegalie
  • Hypophysentumoren
  • Körperlicher Belastung
  • Stress
  • Unterzuckerung
  • Bestimmten Stoffwechselstörungen


Erniedrigte hGH-Werte können beispielsweise beobachtet werden bei:

  • Wachstumshormonmangel
  • Erkrankungen der Hypophyse
  • Hypothalamischen Störungen
  • Höherem Lebensalter
  • Bestimmten chronischen Erkrankungen


Mögliche Beschwerden bei einem Wachstumshormonmangel können sein:

  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Erschöpfung
  • Muskelschwäche
  • Erhöhte Fettmasse
  • Verminderte Muskelmasse
  • Verzögerte Regeneration
  • Verminderte Belastbarkeit


Bei Kindern kann ein ausgeprägter Mangel zu Wachstumsstörungen führen.

Bei der Interpretation sollte berücksichtigt werden, dass die hGH-Konzentration starken natürlichen Schwankungen unterliegt. Einzelmessungen besitzen daher häufig nur eine begrenzte Aussagekraft.

Zur Beurteilung der Wachstumshormonachse werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1)
  • IGFBP-3
  • Cortisol
  • DHEA-S
  • Testosteron
  • Freies Testosteron
  • Pregnenolon
  • Schilddrüsenhormone


Referenzbereich (hGH):

• Männer: < 5 ng/ml

• Frauen: < 10 ng/ml

Referenzbereiche können je nach Labor, Alter, Geschlecht und Untersuchungsmethode variieren.

Hinweis: hGH ist ein wichtiges Hormon für Wachstum, Regeneration und Stoffwechsel. Aufgrund der pulsartigen Ausschüttung wird zur Beurteilung der Wachstumshormonfunktion häufig zusätzlich der IGF-1-Wert herangezogen. Die Interpretation sollte stets im Zusammenhang mit dem klinischen Befund und weiteren hormonellen Parametern erfolgen.

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