Rheuma & Entzündungen

Rheumafaktor (RF)

Der Rheumafaktor (RF) ist ein Autoantikörper, der sich gegen körpereigene Bestandteile des Immunsystems richtet. Er gehört zu den klassischen Laborwerten in der Rheumadiagnostik und wird häufig bei Verdacht auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen bestimmt.

Besondere Bedeutung hat der Rheumafaktor bei der rheumatoiden Arthritis, einer chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung. Viele Betroffene weisen erhöhte Rheumafaktor-Werte auf. Allerdings ist der Rheumafaktor nicht spezifisch für diese Erkrankung und kann auch bei anderen Erkrankungen oder sogar bei gesunden Menschen nachweisbar sein.

Erhöhte Rheumafaktor-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Rheumatoider Arthritis
  • Sjögren-Syndrom
  • Chronischen Infektionen
  • Bestimmten Autoimmunerkrankungen
  • Chronischen Lebererkrankungen
  • Höherem Lebensalter

Ein positiver Rheumafaktor allein beweist daher keine rheumatische Erkrankung. Umgekehrt kann eine rheumatoide Arthritis auch bei unauffälligem Rheumafaktor vorliegen.

Für die Diagnostik werden häufig weitere Laborwerte herangezogen, beispielsweise:

  • Anti-CCP-Antikörper
  • CRP
  • BSG
  • ANA (antinukleäre Antikörper)
  • Weitere Autoantikörper

Die Interpretation des Rheumafaktors sollte immer im Zusammenhang mit Beschwerden, klinischen Befunden und weiteren Laborwerten erfolgen.

Hinweis: Der Rheumafaktor ist ein wichtiger Baustein der Rheumadiagnostik, jedoch kein alleiniger Nachweis für eine rheumatische Erkrankung. Erst die Kombination aus Symptomen, körperlicher Untersuchung und weiteren Laborwerten ermöglicht eine zuverlässige Beurteilung.

Referenzbereich (Rheumafaktor):

• Unter 14 IU/ml

Referenzbereiche können je nach Labor und Messverfahren geringfügig abweichen.

Anti-CCP-Antikörper (Anti-CCP-AK)

Anti-CCP-Antikörper (Antikörper gegen cyclische citrullinierte Peptide) sind Autoantikörper, die bei der Diagnostik der rheumatoiden Arthritis eine wichtige Rolle spielen. Sie richten sich gegen körpereigene Eiweißstrukturen, die durch einen natürlichen biochemischen Prozess verändert wurden.

Im Vergleich zum Rheumafaktor gelten Anti-CCP-Antikörper als deutlich spezifischer für die rheumatoide Arthritis. Daher werden sie häufig eingesetzt, um die Diagnose zu unterstützen oder bereits in frühen Krankheitsstadien Hinweise auf die Erkrankung zu erhalten.

Erhöhte Anti-CCP-Antikörper können insbesondere auftreten bei:

  • Rheumatoider Arthritis
  • Frühstadien einer rheumatoiden Arthritis
  • Selten auch bei anderen Autoimmunerkrankungen


Der Nachweis von Anti-CCP-Antikörpern kann bereits Jahre vor dem Auftreten erster Beschwerden möglich sein. Zudem werden hohe Antikörperspiegel häufig mit einem aktiveren Krankheitsverlauf und einem erhöhten Risiko für Gelenkschäden in Verbindung gebracht.

Ein negativer Anti-CCP-Befund schließt eine rheumatoide Arthritis jedoch nicht vollständig aus. Daher erfolgt die Beurteilung immer gemeinsam mit Beschwerden, körperlichen Untersuchungsbefunden und weiteren Laborwerten.

Zu den häufig ergänzend bestimmten Parametern gehören:

  • Rheumafaktor (RF)
  • CRP
  • BSG
  • ANA (antinukleäre Antikörper)
  • Weitere Autoantikörper


Hinweis: Anti-CCP-Antikörper zählen zu den wichtigsten Laborwerten in der Rheumadiagnostik. Aufgrund ihrer hohen Spezifität können sie wertvolle Hinweise auf das Vorliegen einer rheumatoiden Arthritis liefern und helfen, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen.

Referenzbereich (Anti-CCP-Antikörper):

• Unter 20 U/ml

Referenzbereiche können je nach Labor und Testverfahren geringfügig abweichen.

ASL (Antistreptolysin O)

ASL, auch Antistreptolysin O (ASO) genannt, ist ein Antikörper, den das Immunsystem als Reaktion auf eine Infektion mit bestimmten Streptokokken-Bakterien bildet. Gemessen wird dabei die Immunantwort gegen das Bakterientoxin Streptolysin O.

Die Bestimmung des ASL-Titers kann Hinweise darauf liefern, ob in der Vergangenheit eine Infektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A stattgefunden hat. Hierzu zählen unter anderem Erreger von Mandelentzündungen, Racheninfektionen oder Scharlach.

Erhöhte ASL-Werte können unter anderem auftreten nach:

  • Streptokokken-Angina
  • Scharlach
  • Rachenentzündungen
  • Mandelentzündungen
  • Bestimmten Hautinfektionen


Da die Antikörperbildung erst einige Zeit nach der Infektion ansteigt, eignet sich der ASL-Wert nicht zur Diagnose einer akuten Erkrankung. Vielmehr kann er Hinweise auf eine zurückliegende Streptokokkeninfektion geben.

Besondere Bedeutung besitzt die Untersuchung bei der Abklärung möglicher Folgeerkrankungen einer Streptokokkeninfektion, beispielsweise:

  • Rheumatisches Fieber
  • Poststreptokokken-Arthritis
  • Entzündliche Herzbeteiligungen
  • Bestimmte Nierenerkrankungen (Glomerulonephritis)


Ein erhöhter ASL-Wert allein beweist jedoch keine aktive Erkrankung. Die Interpretation sollte stets im Zusammenhang mit Beschwerden, Krankengeschichte und weiteren Laborwerten erfolgen.

Hinweis: Der ASL-Titer ist ein Marker für eine zurückliegende Streptokokkeninfektion. Er kann wichtige Hinweise auf mögliche Zusammenhänge zwischen früheren Infektionen und später auftretenden entzündlichen Beschwerden liefern und wird daher häufig im Rahmen der Rheuma- und Entzündungsdiagnostik bestimmt.

Referenzbereich (ASL / Antistreptolysin O):

• Unter 200 IU/ml

Referenzbereiche können je nach Alter, Labor und Messverfahren geringfügig abweichen.

Procalcitonin (PCT)

Procalcitonin (PCT) ist ein Eiweißstoff, der im Körper als Vorstufe des Hormons Calcitonin gebildet wird. Unter normalen Bedingungen sind die Procalcitonin-Konzentrationen im Blut sehr niedrig. Bei bestimmten bakteriellen Infektionen und schweren Entzündungsreaktionen kann der Wert jedoch deutlich ansteigen.

Aus diesem Grund hat sich Procalcitonin als wichtiger Laborwert zur Beurteilung bakterieller Infektionen und schwerer systemischer

Entzündungen etabliert.

Erhöhte Procalcitonin-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Bakteriellen Infektionen
  • Sepsis (Blutvergiftung)
  • Schweren Entzündungsreaktionen
  • Bestimmten schweren Organinfektionen
  • Nach größeren Operationen oder schweren Verletzungen


Im Gegensatz zu klassischen Entzündungsmarkern wie CRP oder BSG kann Procalcitonin helfen, bakterielle Infektionen besser von viralen Infektionen zu unterscheiden. Daher wird der Wert häufig zur Unterstützung diagnostischer Entscheidungen und zur Verlaufskontrolle eingesetzt.

Normale oder nur gering erhöhte Procalcitonin-Werte sprechen eher gegen eine schwere bakterielle Infektion. Dennoch sollte der Laborwert niemals isoliert betrachtet werden.

Die Interpretation erfolgt stets gemeinsam mit:

  • Beschwerden und klinischem Befund
  • CRP
  • Leukozyten
  • Körpertemperatur
  • Weiteren Labor- und Untersuchungsbefunden


Darüber hinaus kann Procalcitonin genutzt werden, um den Verlauf einer Infektion oder das Ansprechen auf eine Therapie zu überwachen.

Hinweis: Procalcitonin zählt zu den wichtigsten Laborwerten bei Verdacht auf bakterielle Infektionen und Sepsis. Der Marker kann helfen, die Ursache einer Entzündung besser einzuordnen und liefert wertvolle Informationen über die Aktivität schwerer Infektionsprozesse.

Referenzbereich (Procalcitonin):

• Unter 0,05 ng/ml

Referenzbereiche können je nach Labor und Messverfahren geringfügig abweichen.

Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), auch Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit genannt, ist ein klassischer Laborwert zur Erfassung von Entzündungsprozessen im Körper. Dabei wird gemessen, wie schnell die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) innerhalb einer bestimmten Zeit in einem senkrecht stehenden Röhrchen absinken.

Bei Entzündungen verändert sich die Zusammensetzung bestimmter Eiweiße im Blut. Dadurch sinken die roten Blutkörperchen schneller zu Boden, und die BSG steigt an.

Erhöhte BSG-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Akuten und chronischen Entzündungen
  • Infektionen
  • Rheumatischen Erkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Bestimmten Tumorerkrankungen
  • Chronischen Organerkrankungen

Die BSG reagiert jedoch vergleichsweise langsam. Nach Beginn einer Entzündung kann es einige Zeit dauern, bis der Wert ansteigt. Auch nach Abklingen einer Erkrankung bleibt die BSG häufig noch über einen längeren Zeitraum erhöht.

Neben Entzündungen können weitere Faktoren die Blutsenkung beeinflussen, beispielsweise:


Erniedrigte BSG-Werte sind meist von geringerer klinischer Bedeutung, können jedoch bei bestimmten Veränderungen der roten Blutkörperchen oder des Eiweißstoffwechsels auftreten.

Heute wird die BSG häufig gemeinsam mit moderneren Entzündungsmarkern wie CRP und den Leukozyten beurteilt. Die Kombination dieser Werte ermöglicht eine bessere Einschätzung von Entzündungsprozessen und deren Verlauf.

Hinweis: Die BSG ist ein bewährter, aber unspezifischer Entzündungsmarker. Ein erhöhter Wert zeigt an, dass im Körper ein entzündlicher oder krankhafter Prozess vorliegen kann, erlaubt jedoch keine Aussage über die genaue Ursache. Deshalb sollte die BSG immer zusammen mit weiteren Laborwerten und dem klinischen Gesamtbild bewertet werden.

Referenzbereich (BSG / Blutsenkungsgeschwindigkeit):

• Frauen: bis 20 mm nach 1 Stunde

• Männer: bis 15 mm nach 1 Stunde

Referenzbereiche können je nach Alter, Labor und Messverfahren geringfügig abweichen.

C-reaktives Protein (CRP)

Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird und zu den sogenannten Akute-Phase-Proteinen gehört. Seine Konzentration im Blut steigt an, wenn im Körper Entzündungsprozesse ablaufen. CRP zählt daher zu den wichtigsten und am häufigsten bestimmten Entzündungsmarkern in der Labordiagnostik.

Bei akuten Entzündungen kann der CRP-Wert bereits innerhalb weniger Stunden deutlich ansteigen. Dadurch eignet sich der Laborwert gut zur Erkennung und Verlaufskontrolle entzündlicher Prozesse.

Erhöhte CRP-Werte können unter anderem auftreten bei:

  • Bakteriellen Infektionen
  • Viralen Infektionen
  • Akuten Entzündungen
  • Rheumatischen Erkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Gewebeschäden nach Verletzungen oder Operationen
  • Bestimmten Tumorerkrankungen


Die Höhe des CRP-Wertes kann Hinweise auf die Stärke einer Entzündungsreaktion geben, erlaubt jedoch keine sichere Aussage über deren Ursache. Deshalb sollte der Wert immer gemeinsam mit Beschwerden, Krankengeschichte und weiteren Laborwerten beurteilt werden.

Zur Einordnung werden häufig zusätzlich bestimmt:

  • Leukozyten
  • BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
  • Procalcitonin
  • Weitere Entzündungs- und Infektionsmarker


Normale CRP-Werte sprechen gegen eine ausgeprägte akute Entzündung, schließen jedoch nicht jede Erkrankung aus.

Hinweis: CRP ist ein empfindlicher Marker für Entzündungen im Körper. Der Laborwert zeigt an, dass eine Entzündungsreaktion vorliegt, liefert jedoch keine Information darüber, wo sich die Ursache befindet. Daher sollte CRP immer im Zusammenhang mit weiteren Befunden interpretiert werden.

Referenzbereich (CRP):

• Unter 5 mg/l

Referenzbereiche können je nach Labor und Messverfahren geringfügig abweichen.

Proinflammatorischer Zytokinenstatus

Der proinflammatorische Zytokinenstatus beschreibt die Konzentration verschiedener entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine) im Blut. Zytokine sind Signalstoffe des Immunsystems, die eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungen, Immunreaktionen und der Kommunikation zwischen verschiedenen Immunzellen spielen.

Die Bestimmung eines proinflammatorischen Zytokinenstatus dient der Beurteilung von Entzündungsprozessen und der Aktivität des Immunsystems. Dabei werden häufig mehrere Zytokine gleichzeitig untersucht, um ein möglichst umfassendes Bild der immunologischen Situation zu erhalten.

Zu den häufig bestimmten proinflammatorischen Zytokinen gehören:

  • Interleukin-1 beta (IL-1β)
  • Interleukin-6 (IL-6)
  • Interleukin-8 (IL-8)
  • Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α)
  • Interferon-gamma (IFN-γ)


Der proinflammatorische Zytokinenstatus ist wichtig für:

  • Die Beurteilung von Entzündungsprozessen
  • Die Untersuchung immunologischer Aktivierungen
  • Die Abklärung chronischer Entzündungen
  • Die Beurteilung von Autoimmunerkrankungen
  • Die Verlaufskontrolle bestimmter Erkrankungen
  • Die ergänzende Diagnostik bei chronischen Beschwerden

Erhöhte Werte einzelner oder mehrerer Zytokine können unter anderem auftreten bei:

  • Akuten Infektionen
  • Chronischen Entzündungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Allergischen Reaktionen
  • Chronischen Stressbelastungen
  • Tumorerkrankungen
  • Immunologischen Aktivierungen


Erniedrigte Werte haben meist keine eigenständige diagnostische Bedeutung und müssen im Zusammenhang mit dem gesamten Immunstatus beurteilt werden.

Mögliche Beschwerden bei erhöhten Entzündungsaktivitäten können sein:

  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Leistungsminderung
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Fieber


Bei der Interpretation sollte berücksichtigt werden, dass Zytokinwerte von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden können. Die Beurteilung erfolgt daher stets im Zusammenhang mit Beschwerden, Anamnese und weiteren Laborwerten.

Zur Beurteilung von Entzündungen und Immunreaktionen werden häufig zusätzlich folgende Laborwerte bestimmt:

  • CRP
  • hs-CRP
  • BSG
  • Leukozyten
  • Procalcitonin
  • Rheumafaktor
  • Anti-CCP-Antikörper
  • Immunglobuline


Referenzbereich (proinflammatorischer Zytokinenstatus):

• Kein einheitlicher Referenzbereich

• Die Bewertung erfolgt anhand der einzelnen gemessenen Zytokine und der laborabhängigen Referenzwerte.

Referenzbereiche können je nach Labor, Messverfahren und untersuchteten Zytokinen erheblich variieren.

Hinweis: Der proinflammatorische Zytokinenstatus ermöglicht eine differenzierte Beurteilung entzündlicher und immunologischer Prozesse. Die Interpretation sollte stets anhand der einzelnen Zytokine sowie im Zusammenhang mit Beschwerden und weiteren Entzündungsmarkern erfolgen.

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